Michael-Ende Schule Ratheim
 

Tiergestützte Pädagogik


Unser Schulhund:

Sam





Konzept Schulhund



 

I. Einleitung

In der heutigen Zeit gibt es viele Faktoren und Umwelteinflüsse, die auf ein Kind und sein Lernverhalten einwirken, dass es immer schwieriger wird den Grundschulalltag traditionell zu gestalten. Früher kamen die Kinder in die Schule und man sprach von unterschiedlichen Vorerfahrungen. Jedoch entpuppte sich eine Lerngruppe relativ schnell als weitgehend homogen. Heutzutage ist eine Lerngruppe weitaus heterogener. Soziale und emotionale Komponenten spielen eine immer größere Rolle. Ein Schulalltag dient nicht mehr nur der reinen Wissensvermittlung, sondern geht in einen Sozialisierungsprozess über.

Der Einsatz eines Schulhundes kann an dieser Stelle neue Dimensionen eröffnen. Durch die bloße Anwesenheit eines Hundes kann das Wohlbefinden eines Menschen gesteigert werden. Dies wiederum kann sich äußerst positiv auf die Lernatmosphäre auswirken.

 

II. Chancen und Grenzen der Tiergestützten Tierpädagogik in der Grundschule

Den konstanten Einsatz eines Hundes innerhalb einer Lerngruppe in Begleitung eines Pädagogen bezeichnet man als hundegestützte Pädagogik. Diese Art des Unterrichts bietet Schulen einen anderen Weg des täglichen Umgangs mit Kindern. Die Zielgruppe wird dabei von SchülerInnen mit und ohne Verhaltensauffälligkeiten definiert. Die Leistungsfähigkeit, der individuelle Reifungsprozess der Kinder und das soziale Miteinander sollen durch die pure Anwesenheit eines Hundes verbessert werden; körperliche und verbale Aggressionen sollen zurückgehen. Die Gestaltung einer angenehmen Lernatmosphäre soll immerzu im Vordergrund stehen. Hierbei gilt das Prinzip, dass jemand der sich wohl fühlt aufnahmefähiger ist. „Als Co-Pädagoge unterstützt der Hund dabei den Lehrer/Erzieher bei dessen Erziehungs-/Bildungsauftrag.“ Von Natur aus lieben viele Kinder Hunde. Sie vertrauen sich ihnen an, bedienen sich ihrer als stummen Zuhörer, Begleiter und Vertrautem. Aber auch als Spielkamerad. Sie lernen anhand des Umgangs mit dem Hund den sozialen Kontakt zu anderen zu pflegen und liebevoll sowie respektvoll auf andere Lebewesen zu zugehen. Rundum lässt sich sagen, dass ein Schulhund auf so viele Entwicklungsfaktoren bei Kindern positiven Einfluss nehmen kann, dass den Schülern somit eine weitere Chance auf eine ganzheitliche Entwicklung hiermit eröffnet werden kann.

 

Tiere sind die besten Freunde.

Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht.

Mark Twain

Der Einsatz des Hundes kann sowohl den Klassenunterricht, als auch Einzelförderung betreffen. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, dass er Einsatz des Hundes ein weitgehend passiv erfolgt.

 

 

III. Voraussetzungen

Bevor der Hund im Schulalltag zum Einsatz kommt gibt es diverse Dinge zu bedenken und Voraussetzungen zu erfüllen. Hierzu gehören verschiedene Formalien, die erledigt werden müssen. Darüber hinaus muss ein Hygieneplan erstellt werden. Das sind Aufgaben, die der Hundeführer in Kooperation mit der Schule erledigen muss. Es ist wichtig, dass der Hund selbst so ausgewählt ist, dass seine rassetypischen und individuellen Charaktereigenschaften für den Umgang mit Kindern sich geeignet. Zu guter Letzt muss die Beziehung zwischen dem Hund und dem Hundeführer vertrauensvoll und stabil sein, damit ein sinnvoller Einsatz in der Schule gewährleistet werden kann.

 

3.1. Formalien

Für einen effektiven Einsatz in der Schule ist es unabdingbar, dass weitgehend alle Mitarbeiter der Schule, insb. Schulleitung und Kollegium, der Arbeit mit dem Hund positiv begegnen. Der Schulhund an sich bedarf laut Schulgesetz keiner Genehmigung. Das bedeutet, dass weder das Schulamt noch die Schulkonferenz über den Einsatz des Hundes entscheiden muss. Jedoch, auch wenn ein Beschluss durch die Schulkonferenz nicht vorgesehen ist, ist es sinnvoll, wenn die Schulkonferenz in den Prozess mit einbezogen wird, immerhin handelt es sich hierbei um ein Mitwirkungsgremium der Schule. An der Michael-Ende-Schule hat der Schulleiter Herr Frenken dies bereits im September 2019 getan. Er informierte die Mitwirkenden ausführlich über das geplante Vorhaben, einen Australien Shepherd zum Schuljahr 2020/21 in den Schulalltag zu integrieren. Darüber hinaus wird die Elternschaft, weitere Mitarbeiter (z.B. Hausmeister, OGS- und Betreuungsteam) über den Schulhund informiert. Die Elternschaft bekommt diesbezüglich ein Informationsschreiben. Im Sekretariat liegen Kopien des aktuellen Impfausweises, des Versicherungsnachweises und des Nachweises über die Ausbildung des Schulhundeteams.

Der Umgang mit dem Hund ist in den Klassen, in denen der Hund sich hauptsächlich aufhält klar definiert. Die Regeln werden immer wieder mit den Kindern neu überarbeitet und angepasst. Auf einer Infotafel im Foyer stehen allen SchülerInnen und auch Besuchern diese zur Verfügung. Auch ein Schild weist alle Besucher an der Klassentür auf den Hund hin, wenn er anwesend ist. (‚Sam ist da‘)

 

3.2. Wesensvoraussetzungen

Sam ist ein Australian Shepherd. Typisch für diese Rasse ist ein ausgeglichenes Wesen, ist freundlich und treu gegenüber seinem Besitzer. Der Australian Shepherd ist ein intelligenter und ausdauernder Hund, der auch über längere Zeit konzentriert arbeiten kann. Aufgrund seiner ehemaligen Nutzung als Hütehund hat er eine gute Beobachtungsgabe und entscheidet oft selbst was zu tun ist. Der intelligente Vierbeiner braucht eine sinnvolle Aufgabe, die er gerne eigenständig und gewissenhaft erledigt. Der Australian Shepherd ist sehr lernfreudig und lässt sich infolgedessen gut erziehen. Die Hunde sind ihren Menschen gegenüber sehr anhänglich und am liebsten immer und überall dabei. Generell lässt sich sagen, dass der Aussie ein toller Allroundhund ist, der vielseitig gefordert werden will und viel Bewegung benötigt.

3.3 Hygiene

Folgende Regeln sind unbedingt einzuhalten:

- Einhaltung der Tierschutzbestimmungen in Bezug auf die artgerechte Haltung

- Einhaltung des Hygieneplans unserer Schule

- Nachweis des vollständigen Impfschutzes beim Hund

- regelmäßige Entwurmung des Hundes, sowie prophylaktische Parasitenbekämpfung

- Aufklärung des Personals über den Umgang mit dem Hund und die Hygienevorschriften

- Vermeiden von ‚Küssen‘

- regelmäßiges Hände waschen

- Während der Frühstückspause liegt der Hund auf seinem Platz bzw. in seiner Kiste

- Hygienematerialien liegen griffbereit

- „Kinder mit bekannten Allergien werden besonders beobachtet und unter Umständen vom Hund ferngehalten. Erfahrungswerte aus den Schulen mit langjähriger Praxis mit Schulhunden ergaben, dass es bisher in keinem Fall zu bedrohlichen allergischen Reaktionen kam und sich im Gegenteil erwies, dass selbst dort, wo eine bekannte Tierhaarallergievorlag, bei der Einhaltung der Regeln, keine allergischen Reaktionen festgestellt werden konnten.“

 

4. Unser Sam

Sam wurde am 19.02.2019 in Jülich geboren. Mit acht Wochen zog er Ostersonntag bei Familie Lanske ein. Der kleine Kerl entwickelte sich prächtig und integrierte sich mühelos im Familienleben. Im Haushalt leben zwei kleine Kinder (2 und 4 Jahre). Ständig ist hier was los; toben ist ein Dauerzustand. Sam darf bei allem immer dabei sein, kennt aber auch seine Ruhezonen (Liegekissen, Hundehütte und eine Hundebox). Gerne zieht er sich dorthin zurück und alle Beteiligten gewähren ihm auch diese Ruhephasen. Als ‚Aussie‘ ist Sam sehr lernwillig. Immer wieder zeigt er, dass er seiner Familie gerne gefallen möchte. Mit 12 Wochen begann die Ausbildung im Welpenkurs. Einmal pro Woche nimmt er seitdem am Unterricht in einer Hundeschule teil (Welpenkurs I und II, Grundgehorsam, Stadtkurs).

 

5. Sam’s Einsatz an der MES

Wir unterscheiden den Einsatz im Klassenlehrerunterricht und dem in speziellen Förderstunden. Darüber hinaus gibt es weitere Besuchsstunden und Veranstaltungen, an den Sam teilnehmen darf.

Der Einsatz im Klassenunterricht findet im Rahmen der tiergestützten Pädagogik bei Frau Lanske (Hundeführerin) statt. Sam nimmt z.Zt. einmal pro Woche am Klassenunterricht teil. Dabei soll er die Arbeit in folgenden Bereichen unterstützen:

-      Emotionalität und Sozialverhalten

-      Wahrnehmung und Kognition

-      Lern- und Arbeitsverhalten

-      Sprache und Kommunikation

-      Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz

  Der Einsatz in Fördergruppen ist vielfältig und komplex. Hierbei unterscheiden wir zwischen einer Einzelstunde oder auch Arbeit in einer Kleingruppe. Die Kinder lernen hier den Umgang mit dem Hund, wie man adäquat auf den Hund zugeht und auch seine Körpersprache stets richtig zu deuten. Es soll eine stets sichere und angstfreie Atmosphäre geschaffen werden. Die Bindung zwischen Kindern und Hund soll hier besonders ins Blickfeld gebracht werden. Sam wird als Übungspartner gesehen. Ihm kann man an dieser Stelle vorlesen, Geschichten erzählen oder seine Ergebnisse präsentieren. Auch einzelne Lernfortschritte können mit Hilfe von Streicheleinheiten oder anderen Aufmerksamkeiten gegenüber dem Hund belohnt werden.